Sonnenaufgang

Geologische Wanderung in die Ehnbachklamm                        Seite 2

Der geologische Ausflug beginnt am Parkplatz des Roten Kreuzes in Zirl (Punkt 1). Den Parkplatz erreicht man über die Schnellstraße nach Seefeld, Ausfahrt Zirl-Nord. Vom Parkplatz geht man parallel zur Schnellstraße nach W bis zur Unterführung derselben und auf der anderen Seite des Baches durch die Unterführung weiter nach N. Auf der linken Seite des Weges steigt steil nach oben der Kalvarienberg, auf dem die kleine Kalvarienbergkirche steht.

Zirl_Karte
Topographische digitale Karte des OeAV, Blatt Innsbruck und Umgebung;
eingetragen sind die beschriebenen Aufschlüsse
Ostalpin

Ein paar Worte zur Geologie des Inntales:
Das südlich des Inntales liegende Mittelostalpin (Entstehungszeitraum von 550 Ma bis 320 Ma) besteht bis zu 90 % aus Altkristallin und zu 10 % aus einer Sedimenthaut. Die Kalkkögel gehören der letzteren an. Das Inntal ist sehr tief : so ist man bei einer Bohrung im Bereich Wattens in einer Tiefe von 998 m noch nicht auf Fels gestoßen. Die Terrassen des Mittelgebirges sind zur Gänze Schotterterrassen, die vom Inn und seinen Zubringern abgelagert worden sind. Der Inn war nach jeder Eiszeit während des Abschmelzens der Gletscher ein verflochtenes Flusssystem, das den ganzen Talkessel in einer Breite bis zu 15 Kilometer überdeckt hat. Ein Blick nach Norden zeigt das aufgeschlossene Ostalpin mit seinem Wetterstein- Riffkalk. Bei Punkt 2 steht man am Fuß des Kalvarienberges. Beim Bau der Schnellstraße nach Seefeld musste der Fels verankert werden, nachdem man ihn angeschnitten hatte, weil der Felsen unterhalb der Kapelle von einer Kluft durchzogen wird.

Die Verankerung besteht aus einer Vielzahl 30 m langer Spezialanker aus Stahllitzen-Seilen. Diese wurden in gebohrten Felslöchern eingebracht und unter Druck mit einer Beton-Injektionsmilch permanent mit dem Fels verbunden. Die Litzen wurden mit einem Vorspannfeld vorgespannt. Der Felsen, auf dem die Kapelle errichtet ist und der beim Straßenbau angeschnitten wurde, ist ein Wetterstein-Kalk/Dolomit, der leicht verkarstet. Dieses Gestein ist in der mittleren Trias (Ladin, 234-227 Ma) durch Sedimentation von Kalken im Meer mit einer Mächtigkeit von bis zu 800 Metern entstanden. Es handelt sich beim Wetterstein-Kalk um im Meer durch Algenteppiche, hauptsächlich Diploporen, entstandene Riffe mit der Riffschuttzone der Vorriffe, den massigen Riffkernen und den gebankten Kalken des Lagunenbereiches.

Aufschluss 3 :

Gleich nach der engsten Stelle der Klamm sieht man linker Hand die in der Skizze markierte Kluft, die daraufhin deutet, dass der ganze Fels auf dem die Kapelle steht sich nach Süden, also Richtung Straße, bewegen kann. Sollte dies der Fall sein, dann könnte die beim Straßenbau angeschnittene Felswand ins Rutschen kommen. Siehe Bild 4 der slide-show

Skizze
Kluft an der NE-Seite des Kalvarienberges

Aufschluss 4 :

Hier (Bild 6) befinden wir uns am Fuße der "Schwarzen Riepe", ein sehr steiles Kar in dem die erste Folge von Raibler-Schichten sehr schön aufgeschlossen ist. Die Raibler-Schichten bestehen überwiegend aus Sandsteinen und Tonschiefern mit Pflanzenresten sowie Karbonat Gesteins-Horizonten, die im Karn (227-220 Ma) entstanden sind. Gips kommt ebenfalls in den Schichten vor. Morphologisch bilden die siliziklastischen Raibler-Schichten oft Senken und Joche zwischen den aufragenden Trias-Kalkgesteinen. Der Wettersteindolomit ist hier gegenüber seiner horizontalen Schicht-Entstehungslage um nahezu 90° in die Senkrechte gekippt (seigert) und fällt mit 85° nach Süden ein. Hier hat offensichtlich eine starke Verfaltung stattgefunden, wobei die Faltenschenkel bis in große Tiefe reichen können (500 - 800m). Der Aufschluss reicht vom Ehnbach in 700m SH bis in 840m SH. Im obersten Bereich des Aufschlusses kann man an der gelb-braunen Farbe die überlagernde Würm-Grundmoräne erkennen. Weitere Erläuterungen zu den Raibler-Schichten werden beim Aufschluss Punkt 11 auf dem Kalvarienberg folgen. (Brandner, R. - Poleschinsky,W.; 1986)

Skizze
Bild 6 : Schwarze Riepe -   1 Wettersteindolomit, 2 Tonschiefer, 3 Raibler Dolomite und Kalke, 4 Grundmoräne,            5 Onkolith, 6 Scherfläche

Aufschluss 6 :

Etwa 100 m nach nach der Schwarzen Riepe erreicht man einen weiteren Raibler-Tonschiefer-Horizont (auf der Ostseite des Steiges, Bild 8 ). Die Schicht ist nur ca. 80cm breit und wird tektonisch zwischen zwei Karbonatbänken ausgequetscht. Man kann einen Nord-Süd Versatz von ungefähr einem Meter beobachten. Das klastische Sediment besteht vorwiegend aus stark verwittertem Tonschiefer.

Skizze
Bild 7 : Onkoide auf einem Onkolith
Skizze
Bild 8 : Tonschiefer-Horizont mit tektonischem Versatz

Es stellt sich die Frage, warum man hier entlang des Steiges mehreren Raibler-Horizonten begegnet? Sehen wir uns einmal eine Raibler Formation an :

Skizze
Strtigraphie einer Raibler-Formation (Mächtigkeiten nicht maßstabsgetreu)

Werden mehrere Gesteinsschichten verfaltet und ist deren Einfallen fast 90° (wie es hier der Fall ist), dann wiederholt sich die Schichtenfolge bei jedem Faltenschenkel.

Aufschlusse 6-9
Zwischen den Punkten 6 und 8 quert der Steig ein dunkles Feld klastischer Raibler-Sedimente, das von E herunterzieht. Hier können auch (aber sehr spärlich) Steinabdrücke von Fossilien (Muscheln und Pflanzenreste) gefunden werden.  Schaut man hier vom Steig  auf die gegenüber liegende Talseit des Baches, so kann man bei günstigem Sonnenstand (am Nachmittag) große Felsplatten sehen, die mit kleinen, wellenförmigen Rippeln übersät sind (Bild 9). Daraus kann man schließen, dass sich diese Sedimentationsschicht in einer Tiefe von nur ca. einem Meter unter der Meeresoberfläche befunden haben muss.
Hier endet unsere geologische Wanderung in die Ehnbachklamm und auf den Kalvarienberg.
Imnteressierten kann ich auch eine Wanderung entlang des Zirler Höhenweges empfehlen. Starten kann man wie zum Einstieg in die Ehnbachklamm, zweigt dann aber nach der Autobahnunterführung nach links ab, von wo der Steig auf den Kalvarienberg und zum Kriegerdenkmal führt. Von diesem führt der Zirler Höhenweg nach NW in das Schlossbachtal. Man wandert dabei entlang der Innsbrucker Trias vom Karnium bis ins Norium (Raibler bis Hauptdolomit) da hier durch die Verfaltung die Bankung fast senkrecht einfällt.

Literaturverzeichnis :
Digitale Karte des OeAV, Blatt Innsbruck und Umgebung
Geologische Übersichtskarte von Tirol, M 1:300000
Brandner, R. & Poleschinsky,W.: Stratigraphie und Tektonik am Kalkalpensüdrand zwischen Zirl und Seefeld in Tirol,
       Jber.Mitt.oberrhein.geol. Ver.,N.F.68, 67-69, 12 Abb., Stgt., 1.4.1986
Möbus,G.: Geologie der Alpen - Köln: von Loga, 1997