HöttingerBreccie
 
 
 
 

Eine kurze Einführung

 
 

           Ich will hier von einer geologischen Zeitperiode schreiben, in der die Tektonik, die zur Heraushebung der Alpen geführt hat, schon längst nahezu die jetzt bestehende Architektur geschaffen hatte: das Quartär: es beginnt mit dem Ende des Neogen vor 2,6 Millionen Jahren und reicht bis in das Heute. (Link zur Geologischen Zeitskala ). Tektonisch betrachtet waren die Bergmassive der Alpen, die großen Täler und Flussläufe schon geformt. Aber die Landschaften wie wir sie heute kennen sollten sich erst durch die sich verändernden Klima-Bedingungen verändern. Alleine durch die in den letzten 600.000 Jahren ausgeprägten 6 Glzialperioden mit dazwischen liegenden Wärmeperioden ist unsere heutige Landschaft entstanden. Das Inntal markiert eine Großraumstörung, die die Nördlichen Kalkalpen von der Grauwackenzone trennt. Hier finden wir noch zahlreiche Spuren sowohl des mächtigen Würm- Gletschers als auch der klimabedingten starken Erosionstätigkeit in den umgebenden Bergmassiven. Das Würm-Glazial geht von etwa 110 ka ( ka = 1000 Jahre) bis 10 ka vor Heute, wobei der Höhepunkt der Kälteperiode vor ca. 20.000 Jahren erreicht wurde.

Das folgende Diagramm zeigt die 6 Kältemaxima der letzten 600.00 Jahre :

 
 
Isotope Ratio
Bild 1 : Gavin Schmidt - "Science Briefs: Cold Climates, Warm Climates: How Can We Tell Past Temperatures?" ; Die in obigem Diagramm gezeigten Maxima der δ18 O Isotope entsprechen den Eiszeitmaxima.

Landschaftsgestaltung im Inntal vom Eem bis heute (nur ein grober Umriss)

Wir wollen uns am Anfang eine plastische Vorstellung davon machen, wie sich die Landschaft von der beginnenden Erwärmung im Eem an verändert hat:

  • Die hoch aufragenden Gipfel der Nördlichen Kalkalpen (NKA) fallen steiler als heute zur Inntalfurche ab. Diese liegt auch noch um einiges tiefer als heute. Das Tal ist schmäler.
  • Es wird immer wärmer und feuchter, Frost und Wärme setzen den Bergen zu, die Erosion in Form von Bergstürzen, Schuttfächern und Schutthängen und  Murenereignisse nehmen zu. Die Sedimentation durch Bäche und Flüsse nimmt stark zu und füllt den Talboden mit immer mehr Sediment-Material auf.
  • Die Muren verfestigen sich durch kalkhaltiges Wasser.
  • Ab ca. 105 ka vor Heute wird es wieder  kälter und das Klima geht dem Würm-Glazial entgegen;
  • In sehr kalten aber schneefreien Zeiten kann es in vegetationsfreien Flächen zur Erosion durch Stürme und zu äolischer Verfrachtung von feinsten Sanden kommen.
  • die Gletscher stoßen wieder vor und das Inntal versinkt unter dem Eis, das bis zum Höhepunkt des Würm-Glazials (20ka) bis in ca. 2000 hm reicht. Die enorme Eislast spiegelt sich heute in zerbrochenen Klasten der Brekzie wieder.
  • Gegen Ende des Würms beginnt der Inntal-Gletscher sich wieder zurückzuziehen (mit einigen Unterbrechungen).
  • Es bilden sich Seen dort wo der sich zurückziehende Würm-Gletscher Endmoränen hinterlassen hat.
  • Irgendwann durchbricht der Fluss die stauenden End-Moränen und der See verschwindet und hinterlässt Seesedimente in Form von feinen Sanden, Tonen und Kiesen.

Jetzt wollen wir einige Aufschlüsse erwandern, die die Quartäre Geologie im Raum Innsbruck belegen. Zuerest schauen wir uns die Geologische Karte des Innsbrucker Raumes an :

 
Geologische Karte
Bild 2: Geologische Karte der Nordseite des Inntales  bei Innsbruck; Auschnitt aus Geofast 1:50000 - Blatt 118 Innsbruck: Zusammenstellung
ausgewählter Archivunterlagen der Geologischen Bundesanstalt Wien (Stand 2008)

In der Karte von Bild 2 sind die für uns interessanten Bereiche farblich hervorgehoben: Hötinger Breccie gelb, Grundmoräne rosa; Norden ist im Bild oben. Die roten Kreise zeigen die Orte von denen das Bldmaterial stammt:  HG = Weiße Höttinger Breccie;  Rote Höttinger Breccie: Mayrscher Steinbruch, Lepsius-Stollen;  M ... Alluvionaler Aufschluss

Weiße Höttinger Breccie im Höttingergraben

Was ist die Höttinger Breccie überhaupt ? Die Höttinger Breccie erstreckt sich am Südabfall der Innsbrucker Nordkette vom Brandjoch im W bis zum Törl im E. Höchst gelegene Reste der Breccie stehen in fast 2000m SH an; die tiefstgelegenen findet man um die 600m SH (Patzelt,G. & Resch, W.). Es handelt sich dabei um Ablagerungen von Murschutt, der sich durch Austrocknung und Zementierung lithifiziert hat. Die Breccie besteht hauptsächlich aus den von den Muren am Südhang der Norkette transportierten triassischen Erosionsprodukten der Nordkette.

Die rötliche Grundfarbe in der Roten (tieferen) Breccie rührt von beigemengtem Schutt von rotem Alpinen Buntsandstein aus der unteren Trias (siehe den Beitrag "Höttinger Graben").
Die Muren sind im warmen und feuchten Klima des Riß-Würm-Interglazials von den Triassischen Hängen der Nordkette ins Inntal abgegangen und haben dabei die Grund- und Seitenmoränen, die der Riß-Gletscher hnterlassen hatte, unter sich begraben (siehe Bild 3). Dies können wir gut beim Lepsius-Stollen beobachten.

Eine ausführliche Behandlung des Themas "Höttinger Breccie" findet man im folgenden Bericht (anklicken):

Eislast-Erscheinungen und Intraklasten in der Höttinger Brekzie bei Innsbruck,  Sanders, D. 2008

Bild 4 zeigt den obersten Bereich der "Weißen Höttingerbreccie", auf dem die Höttingeralm liegt. Das Foto wurde vom Aufschluss aufgenommen, der in Bild 5 abgebildet ist. Die Breccie überlagert hier den triassischen Alpinen Buntsandstein.

Rote Höttinger Breccie im Mayrscher Steinbruch

Der Mayrsche Steinbruch befindet sich östlich der vorletzten Kehre  der Innsbrucker Höhenstraße auf die Hungerburg. Hier wurden in der Vergangenheit die meisten Bausteine gewonnen, mit denen viele historischen Bauten der Stadt verschönert wurden.
Die nebenstehende Skizze des Steinbruches (Bild 6) veranschaulicht am Besten den geologischen Aufbau der Breccie: die Mächtigkeit der Breccie erreicht ca. 40 m. es handelt sich um massige Bänke die von ca. 10cm dicken Lagen von feinem gelblich-roten Sand getrennt sind. Die einzelnen Bänke sind von 1 bis 10 Metern mächtig.

Die Breccie ist aus einer feinkörnigen kalkreichen Matrix zusammengesetzt, in der mehr oder weniger gerundete oder eckige Komponenten eingelagert sind (Bild 7). Bei diesen handelt es sich hauptsächlich um Kalkgerölle, rötlichem Buntsandstein und weniger um Silt-und Tonschiefer.
Die dünnen Trennschichten enthalten viel Quarz und Glimmer und ein wenig Granat. Da diese Minerale in der  Nordkette nicht typisch sind, können sie nur aus dem Altkrisallin der Stubaier- und Ötztaler Alpen stammen. Es handelt sich dabei also wahrscheinlich um äolisch verfrachteten und subaerisch sedimentie rten  Sand (Patzelt,G. & Resch,W.).

Einen weiteren Interessanten Beitrag zum Thema  Höttinger Breccie findet man im folgenden Artikel:

DIE PLEISTOZÄNE ROTE HÖTTINGER BRECCIE BEI INNSBRUCK;   U.Obojes & C.Spötl

Ungefähr 100 m östlich des Mayrschen Steinbruchs in ca. 750m Höhe befindet sich eine Wasser-Ausbruchsstelle, aus der eine Kluft-Quelle austritt (Bild 8). Das Wasser tritt an der Grenze zwischen der Breccie und dem wasserundurchlässigen Untergrund, der von einer Grundmoräne gebildet wird, aus. Die Breccien sind von zahlreichen Klüften durchzogen und daher wasserdurchlässig.
Am südlichen Rand des Mayrschen Steinbruchs kann man erkennen wie die Breccie, die ursprünglich weiter ins Inntal hinausreichte, zum Teil vom Inn abgetragen worden ist.

Rote Höttinger Breccie beim Lepsius-Stollen

Der Lepsius-Stollen befindet sich nord-östlich der Weiherburg (Zoo) an der Basis der Roten Höttinger Breccie. Er wurde im Jahr 1913 auf Anregung des Geologen R.Lepsius angelegt und wurde in S-N Richtung ca 20m unter die Basis der Breccie vorangetieben. Der Anlaß dafür war, dass die Geologen sich nicht über den zeitlichen Ursprung der Breccie einig waren und verschiedenen Auffassungen vertreten wurden. Ein von O.Ampferer gezeichnetes und im Artikel von G.Patzelt und W.Resch veröffentliches Profil des Stollens ist in Bild 9 wiedergegeben.

Die Muren, die sich später zur Breccie ferfestigen sollten, haben daher  die vorhandene Grundmoräne überfahren; das Stollenprofil zeigt die Morphologie derselben an dieser Lokalität. Selbsverständlich setzte sich die Breccie bis in den Talboden fort, ist aber der späteren Erosion zum Opfer gefallen. Auffallend der Streifenlehm, der die Grundmoräne bedeckt; das bedeutet, dass vor den Murenereignissen eine längere trockene und auch kalte Klimaphase geherrscht haben muss, die zu einer äolischen Sedimentation auf die Grundmoräne geführt hat.
Der Aufschluss beim Stollen ist im oberen Bereich stark der Verwitterung ausgesetzt und die Trennschichten zwischem den Breccien-Bänken sind zum Teil durch Schutt überdeckt. Die Schichten an der Basis hingegen sind durch überhängendes Gestein gut geschützt (Bild 10) und daher besser zu unterscheiden. Es können hier die Breccie-Schichten mit tonig-siltigen Zwischenlagen gut erkannt werden. Auffällig ist eine  ca. 80 cm oberhalb der Grundmoräne vorhandene ca. 50 cm starke rot-braune Breccie-Bank (Bild 11), die reich an Alpinem Buntsandstein (untere Trias) ist. Nach oben hin wird die Breccie immer grauer, da dort die kalkhaltigen Gerölle des Wettersteinkalkes und der Rauhwacke vorherrschen.

Quartäraufschluss im Mühlauer Graben (Innsbruck)

Im Rahmen der Beschreibung der Aufschlüsse der Breccie ist schon so manches über der Geologie des Inntales im Bereich von Innsbruck ausgeführt worden. In dem Aufschluss den wir abschließend besuchen, soll die Situation abseits der Breccie etwas näher erörtert werden.
Der Aufschluss befindet sich an der östlichen Böschung des Mühlauer Grabens, wie aus nebenstehendem Ausschnitt aus der Alpenvereinskarte, Karwendelgebirge, Mittleres Blatt, ersichtlich ist (Bild 12).
Die Basis des Aufschlusses liegt in einer Höhe von 720m über dem heutigen Inn-Niveau. Aus geologischer Sicht befinden wir uns hier im früheren alluvionalen Bereich des Inns, der im N durch jüngere interglaziale Schotter überlagert ist; es handelt es sich bei diesen um quartäre Terrassen-Sedimente.

Das Würm-Glazial kann man in drei verschieden kalte Perioden unterteilen: ein Frühglazial mit einer Dauer von ca. 20.000 Jahren, ein Vollglazial mit ca. 40.000 Jahren und ein Spätglazial mit ca. 5.000 Jahren (siehe auch Bild 1). In allen diesen Kälteperioden hat es kältere umd weniger kalte Zeiten gegeben.
Während des Vollglazials war Mitteleuropa wald- und baumfrei. Dementsprechend herrschten sehr rauhe Klimavervältnisse vor. Die Spuren dieses Klimas und insbesodere die durch die Gletscher, die bis in ca. 2000 Metern Höhe alles unter sich begraben haben, haben die Landschaft immer weider verändert und sind in den Quartären Aufschlüssen des Inntales wiederzufinden.
So finden wir in den mächtigen Terrassen-Sedimenten feine und gröbere Schotter, mehlige feine Sande, quarzreiche Sande, feine und grobe Schotter, gerundete und kantige Komponenten, Lehmschichten und auch große Gesteine die die Gletscher von ihrem Urspung hunderte Kilometer weit transportiert haben. Die Geologen können aus solchen Sedimenten sehr gut die Vorgänge bis weit in die Vergangenheit rekonstruieren. Und einiges kann man auch aus den Ablagerungen, die in dieser Mühlauer Schottergrube aufgeschlossen sind, herauslesen.

Sedimentstrukturen des Aufschlusses  (Bilder 15 und 16)

Die Basis im Aufschluss besteht aus laminierten Mehlsanden: das sind siltige und feinsandige Sedimente, die sich von den Grob- und Mittelsanden neben ihren Korngrößen auch durch dünne Lamination, Rippelschichtung und durch Einschaltung von Rinnenstrukturen unterscheiden. Die vorhandenen durch Erosion hervorgerufenen Diskordanzen sind durch eine sehr unruhige Sedimentationsgeschichte  entstanden.
Man erkennt einige fast sandfreie Kieslinsen, die aufgefüllte Wasserrinnen nachbilden. Einige Sandlagen sind nahezu  kiesfrei, was von einer ruhigen Ablagerung zeugt.

Das Niveau der Auffüllung des Inntales mit See-Sedimenten vor etwa 27kA war etwa in 680 Hm gelegen, wie man aus den vorhandenen Tonen feststellen kann. Die in der Mühlauer Schottergrube erschlossenen Sedimente reichen aber bis 750 Hm; d.h. dass der Hauptvorstoß und der Rückzug des Würmgletschers in etwa in 10 bis 15 Ka abgelaufen ist.  Die Ausräumung der Inntalsedimente in der Talmitte durch den Würmgletscher ist durch die nahe der heutigen Talsohle vorkommenden Moränenablagerungen, Eisrandterrassen und Eisrandtäler als whrscheinlich anzusehen (Patzelt, G.). Nachdem sich das Eis endgültig zurückgezogen hat, konnten auch die Seitenbäche quer zum Inntal  die Terrassen zerschneiden (Patzelt, G.).
Bei den hier aufgeschlossenen Schichten handelt es sich um Fluviatile Sedimente. Beim Vorstoß eines Gletschers entstehen Schmelzwasser Ablagerungen die Gletscher-Sanderschüttungen entsprechen, mit Rinnen und Schotterflächen und Sanden. Die entstandenen Sedimente  (1988; Mostler,W. 1992) werden nach dem Rückzug des Gletschers vom Fluss eingeschnitten und es entstehen die Terrassen.(Goldwaith, R.P. ; Mostler,W. 1992)

Der an der quartären Entwicklung  des Inntales interessierten Leser dieses Artikels findet in den folgenden Arbeiten eine umfassende geologische Analyse verschiedener Geologen:

 

Literatur Nachweise