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In diesem Beitrag wollen wir im Bereich des südwestlichen Tauernfensters vom ausapernden Gletscher freigelegte wunderschöne Aufschlüsse von Zillertaler Zentralgneis dokumentieren. Wir erreichen diese Aufschlüsse vom Südtiroler-Tauferer/Ahrntal aus über Bruneck- Mühlen- Lappach- Nevesstausee. Hier beginnt der Aufstieg zur Chemitzerhütte und dem Nevesferner. Die Aufschlüsse liegen in vom Gletscher abgeschliffenem und jezt freiliegendem Felsbereich oberhalb des Steiges der von der Chemnitzerhütte zur Edelrauthütte führt.
Um die Faszination dieses Ortes voll zu verspüren (immerhin stehen wir hier auf mehr als 300 Millionen altem Gestein) muß man aber schon den geologischen Hintergrund zum Tauernfenster erörtern. Über die Geologie des Tauernfensters gibt es zahllose Arbeiten (auf Links zu interessaten diesbezüglichen Arbeiten wird später noch hingewiesen) , so dass hier nur auf ein paar wesentliche Aspekte der Entstehung des Tauernfensters eingegangen wird.

Das Tauernfenster : 

Gehen wir zurück ins Erdgeschichtliche Zeitalter des Paläozoikums und hier insbesondere ins Karbon, das laut geologischer Zeitskala von 359 bis 299 Millionen Jahren (mya) gedauert hat. In dieser Zeit ist die Bildung des Superkontinentes Pangea noch im Gange; es ist eine tektonisch sehr unruhige Zeit mit der Bildung von Gräben und Horsten und der Heraushebung des Variszischen Orogens (= Gebirge). Mit der Exumierung desselben beginnt auch schon dessen Erosion mit der Sedimentation seiner Produkte.

Dieses alte Grundgebirge, das die Geologen bis vor ein paar Jahrzehnten als das „Alte Dach“ bezeichnet haben, besteht im wesentlichen aus Paragneisen, Glimmerschiefern und Amphiboliten. Vor rund 340 bis 250 mya sind saure und basaltische Magmen in dieses Grundgebirge intrudiert (= eingedrungen) und dort als Plutone erstarrt. Das sind die heutigen Zentralgneise: sie sind aus granitischen und dioritischen Magmen entstanden und bestehen hauptsächlich aus hellen granitischen und tonalitischen Gneisen. Diese Plutone wurden rund 200 mya später während der beginnenden Alpidischen Gebirgsbildung (Orogenese) tektonisch in Mitleidenschaft gezogen und die Gesteine metamorph überprägt. Granite und Diorite wurden in diverse Gneise, ehemalige Basalte in Amphibolite umgewandelt.
Zum Abschluss dieser kurzen Betrachtungen über die Entstehung des Plutons, an deren Oberfläche wir heute stehen dürfen, soll auch der Begriff „Tauernfenster“ besprochen werden.

Warum Tauernfenster ? Um das zu erklären, muss man vom Deckenaufbau der Ostalpen sprechen: Das Variszische Grundgebirge, von dem weiter oben die Rede war, hat natürlich während der dem Karbon folgenden Zeitalter des Perm und der Trias (rund 100 mya) große Veränderungen erfahren: Pangea hatte begonnen auseinander zu brechen, der Südatlantik sich zu öffnen und in dessen Folge auch der Penninische Ozean.
Siehe die Skizze Dehnungstektonik und Öffnung des Penninischen Ozeans und die vereinfachte Skizze , die ein vereinfachtes N-S Profil des Tauernfensters zeigt.

Bei dessen Schließung durch die von der afrikanischen Adriaplatte ausgelöste Subduktion des europäischen Platten-Randes unter den afrikanischen ist es zu einer Deckenstapelung gekommen, wobei die Ostalpine Decke zur obersten Decke wurde und der ehemalige Europäische Kontinentalrand (Helvetikum und Penninikum) die unterste Decke. des Stapels bildete. Auf die Bewegungen diese Stapels wird hier nicht näher eingegangen.

Während einer späteren Phase der Heraushebung der Alpen, gekoppelt mit einem Subduktionsvorgang, wurde der Stapel im Bereich der heutigen Hohen Tauern hochgehoben. Die darauf folgende Erosion der Gesteine hat die oberen Decken so weit abgetragen, bis in dem so entstandenen „Fenster“ die Penninische Decke freigelegt war. Geologisch sehr interessant sind natürlich auch die Randzonen des Tauernfensters, da man hier einen schönen Einblick auf die oberen Decken des Ostalpinen Deckenstapels hat.

Aufschlüsse unterhalb des Nevesferners : 

Wir befinden uns am westlichen südlichen Rand des Tauernfensters. Die Ostalpinen und Penninischen Decken sind im Zuge der Aufwölbung des Stapels nach Westen (Brenner-Abschiebung), nach Norden (Grauwackenzone) und nach Osten ( …?...) ausgewichen und durch Erosion ist der in das basale Helveticum intrudierte Pluton freigesetzt worden. Auf den Graniten und Gneisen, die der Rückzug der Gletscher freigelegt hat, können wir jetzt herum steigen und die Schönheit des Gletscherschliffs bewundern.
Die folgenden Bilder wurden fast alle ca. 200m bis 300m oberhalb des Steiges, der von der Chemnitzer Hütte zur Edelraut Hütte führt, aufgenommen.

Tauferer Schloss
Bilder 2 bis 5:

Wir befinden uns am westlichen südlichen Rand des Tauernfensters. Die Ostalpinen und Penninischen Decken sind im Zuge der Aufwölbung des Stapels nach Westen (Brenner-Abschiebung), nach Norden (Grauwackenzone) und nach Osten (Katschberg-Störung) ausgewichen und durch Erosion ist der in das basale Helveticum intrudierte Pluton freigesetzt worden.


Die Zentralgneise haben zumindest 2 große Metamorphosen erfahren: bei der Öffnung und Schließung des Penninischen Ozeans (Dehnungs-und Kompressionstektonik) und bei der Alpidischen Gebirgsbildung (Orogenese), bei der es letztendlich zur Aufwölbung der Hohen Tauern gekommen ist.

Wer mehr Interesse an der Geologie des Tauernfensters hat, findet interessante Beiträge im folgenden Literaturverzeichnis:

Literaturverzeichnis:

- The Tauern Window (Eastern Alps, Austria): a new tectonic map, with cross-sections and a tectonometamorphic synthesis;
   Stefan M. Schmid • Andreas Scharf • Mark R. Handy • Claudio L. Rosenberg - 2013

- Lithologische Kartierung, Petrologie und Strukturgeologie am Tauernfenster-Südrand im Ahrntal  (SÜDTIROL, ITALIEN); Ulrike Forer, Peter Tropper, Volkmar Mair; Link zum Pdf-Dokument hier

- Geologie der Alpen Teil 2: Das Penninikum, Vorlesungsskript von Nikolaus Froitzheim; Link zu dieser Pdf-Datei:
 https://www.steinmann.uni-bonn.de/institut/bereiche/endogene-prozesse/arbeitsgruppen/strukturgeologie/lehre/wissen-gratis/geologie-der-alpen-teil-2, Kapitel 12.2